„Celtic-Fields“ im Eichelgarten und bei Weipertshausen

(Artikel von Ulrich Bähr, Benno Gantner, Martin Moser, Klaus Köppe)

Celtic Fields

Zusammen­fassung

Im Landkreis Fürstenfeldbruck (wie auch in vielen anderen Landkreisen) finden sich rechteckige Wallstrukturen. Sie werden auf eine vorrömische Form der Landwirtschaft zurückgeführt. Die meisten Details sind noch ungeklärt. (Dieser Beitrag ergänzt einen Vorgängerbeitrag.)

Das Phänomen

In ganz Nordeuropa und auch im Landkreis Fürstenfeldbruck und seinen Nachbarlandkreisen findet man eine auffällige offensichtlich menschengemachte Struktur in der Landschaft:

Unterschiedlich große Rechtecke, die dicht an dicht nebeneinander liegen als unregelmäßige Blockfluren. Sie sind zwischen 0,5 und 2,5 Hektar groß – im Schnitt etwa 1 Hektar. Begrenzt sind die Rechtecke von 10 Meter breiten Wällen (die in manchen Fällen auch nur 1 Meter breit sind). In Hanglagen wurden die Rechtecke terrassiert – eine halbwegs waagrechte Oberfläche wurde also angestrebt. Die Rechtecke liegen mehr oder minder in einem Nord-Süd-Raster. Zwischen den Äckern sind keine Wege erkennbar.

„Celtic-Fields“ werden teilweise von Römerstraßen quer durchschnitten. In „Celtic-Field“-Gebieten und noch mehr am Rand davon finden wir häufig Grabhügel – aber die Rechteckstrukturen werden mit zunehmender Nähe zu Grabhügeln immer flacher und sind direkt daneben letztlich nicht erkennbar. Man kann also keinen Grabhügel auf einem Damm nachweisen und kein Damm durchschneidet einen Grabhügel.

In unserer Gegend sind „Celtic-Fields“ häufig – sie kommen aber nicht überall vor. Der bestimmende Faktor, warum es in bestimmten Gegenden „Celtic-Fields“ gibt und an anderen nicht, ist noch nicht bekannt. Mit einem frei verfügbaren Digitalen Geländemodell könnte man größere Flächen rechnen und so womöglich noch mehr „Celtic-Fields“ finden.

Bislang bekannte „Celtic-Fields“ rund um Fürstenfeldbruck. [Quelle: Daten von Volker Arnold und GoogleMaps, GeoBasis-DE/BKG (2009)]
Mittelalterliche Äcker zum Vergleich

Die kreisförmigen mittelalterlichen Rodungsinsel-Ortsgründungen mit oft 2 Höfen in der Mitte sind (z. B. in Brandenberg) 70 ha groß. Die einzelnen Äcker, die wir nach etlichen Hofteilungen Anfang des 19. Jahrhunderts in der Uraufnahme sehen, sind auch zwischen 0,5 und 1,5 ha groß. Wölbäcker sind mit 5 – 10 ha deutlich größer – wurden aber womöglich von mehreren Bauern geteilt genutzt.

Begriff

Der Begriff der „Celtic Fields“ ist in der Literatur eingeführt, aber aus zwei Gründen fragwürdig:

  • Es ist keineswegs sichergestellt, dass die Strukturen von keltischen Volksgruppen hergestellt wurden.
  • Zudem ist nicht einmal sicher, dass es sich um Felder handelt.
Was übrig ist

Die Wälle sind heute meist nur 10 cm hoch und zeichnen sich in der Landschaft kaum ab. Man kann sie auf drei Arten ausfindig machen:

  • Primär findet man „Celtic-Fields“ im LIDAR-Geländemodell. Im Gelände kann man den Fund dann noch bestätigen.
  • Wenn ein moderner Weg einen Wall kreuzt, fällt die bucklige Erhöhung meist auf. Dass sie sich im Wald daneben fortsetzt, ist oft weniger gut erkennbar.
  • Wenn man neben und auf dem Wall Stangen aufstellt mit exakt gleicher Länge, dann fällt der Höhenunterschied – insbesondere mit einem Teleobjektiv – auf:
Wall im Eichelgarten/Forstenrieder Park
Wall im Eichelgarten/Forstenrieder Park

Die Flanken sind mit rund 1 Meter eher breit.

Im LIDAR-Bild (im Bayernatlas: „Geländerelief“) kann man „Celtic-Field“-Strukturen am deutlichsten erkennen:

„Celtic Fields“ bei 82272 Dünzelbach (Moorenweis) im Leinbühl. [Quelle: BayernAtlas, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Geobasisdaten: Bayerische Vermessungsverwaltung“, Abdruckgenehmigung Nr. 2104-6308]

Und natürlich sind „Celtic-Fields“ meist nur in Wäldern erhalten. Und auch dann nur, wenn auf diesen Flächen im Mittelalter kein (Wölbäcker-)Landwirtschaft betrieben wurde.

„Celtic-Fields“ im Forstenrieder Park – Eichelgarten

Forstenrieder Park

Im Forstenrieder Park findet man noch heute die mit 10 km2 wohl größte zusammenhängende Celtic-Fields-Fläche in Südbayern. Als Jagdgebiet der Wittelsbacher blieb es vom Ackerbau im Mittelalter verschont, was ältere Strukturen erhielt.

Westen. Rot umrandet „Celtic-Fields“-Flächen. Grün die Römerstraße. [Quelle: OpenStreetMap. Mit Daten von Volker Arnold.]
Zusammen­setzung der Wälle

Im Forstenrieder Park wurden an zwei Stellen Proben entnommen.

Bodenprobe im Eichelgarten/Forstenrieder Park

Die Bodenschichtung bestand bei allen zwei Proben aus:

  • 6 cm Humus
  • 10 cm verwitterter, lehmiger gelber Löß (Rotlage). Eine Mischung aus Sand und Lehm mit wenig Kieseln oder Steinen. Humusanteile fehlen. Einzelne kleine Holzkohlenstücke scheinen erkennbar zu sein.
  • darunter Kies, durchmischt mit Lehm.

Spuren zeigten, dass LKWs die Wälle eindrücken. Sie sind also vergleichsweise weich.

Nutzung der Wälle

Es bedarf noch vieler weiterer Bodenproben an anderen Stellen. Für den Eichelgarten kann zumindest gesagt werden:

Heute wäre der Boden auf den Wällen gut bewirtschaftbar, da der Lehmanteil gut wasserhaltig ist.

Mit einem Hakenpflug (Ar) könnte der Boden problematisch gewesen sein, da der Lehm bei Trockenheit sehr hart wird. Der Boden war damals also vermutlich nur nach Regenfällen pflügbar. Lange Zeit wurden kiesige Böden daher den lehmigen Böden vorgezogen, auch wenn Dürren dort ein größeres Problem darstellten.

Im Mittelalter als Acker genützte Böden zeigen noch heute eingepflügte Humusanteile durch eine graue obere Schicht. Diese fehlt hier – das Substrat ist durchgängig gelb. Da wir aber nicht wissen, wie sich Humusanteile in über 2000 Jahren entwickeln, kann damit keine Aussage getroffen werden über eine eventuelle landwirtschaftliche Nutzung der Wälle.

„Celtic-Fields“ in Weipertshausen-Herrenholz

Lage

In einem Waldstück („Herrenholz“) am Starnberger See zwischen Weipertshausen (Münsing), Allmannshausen und Ammerland befindet ein kleineres Gebiet mit „Celtic Fields“.

Gebiet mit „Celtic Fields“ bei Weipertshausen [Quelle: Open Street Map]
Hanglage

Das Gebiet ist interessant, da es leicht geneigt ist.

Ein „Celtic-Fields“-Wall (gelb) trennt eine höher gelegene Fläche von einer tieferen

Das Bild zeigt, dass der Wall zwei Flächen trennt, deren Niveau eine Differenz von fast einem Meter hat. Das könnte bedeuten, dass der Hang terrassiert wurde. Wenn dem so war, dann wurde die Binnenfläche der Wälle ursprünglich genutzt und eine Neigung störte die Nutzung.

Bodenprobe

Auch hier wurde eine Bodenprobe entnommen.

Bodenaufbau eines Walls im Herrenholz bei Weipertshausen

Die Bodenschichtung bestand aus:

  • 10 cm Humus und organisches Material
  • 16 cm verwitterter, lehmiger gelber Löß (Rotlage). Eine Mischung aus Sand und Lehm mit wenig Kieseln oder Steinen. Humusanteile fehlen.
  • ob darunter noch eine reine Kiesschicht kommt, war nicht feststellbar.

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